Bachelor und Master – Der Bologna Prozess
Als sich im Jahre 1999 die Bildungsminister von 29 europäischen Ländern trafen und im italienischen Bologna eine Erklärung zur Schaffung eines einheitlichen europäischen Hochschulraumes unterschrieben, waren sie sich sicherlich der Tragweite ihrer Entscheidung bewusst. Leider hatten sie aber einen Teil der Folgen der Umstellung aller Hochschulabschlüsse auf das zweigliedrige Bachelor-Master-System falsch vorhergesagt, so dass auch heute, über ein Jahrzehnt nach dem Beginn der Umstellung, noch etliche Mängel in der Umsetzung zu beklagen sind. Aber fangen wir nochmal von vorne an:
Was ist das Ziel der Bachelor-Master-Umstellung?
Die Umstellung auf die neuen Studienabschlüsse, gemeinhin als Bologna-Prozess oder Bologna-Reform bezeichnet, hat vor allem drei Hauptziele:
1. Mobilität fördern
Sowohl den Studierenden als auch den Lehrenden soll es ermöglicht werden, leichter innerhalb eines Landes, aber vor allem auch über Ländergrenzen hinweg, neue Studienwege zu beschreiten. Jemand, der also in Berlin seinen Bachelorabschluss erworben hat, sollte relativ einfach ein Masterstudium in Rom oder Madrid beginnen können. Dazu wurden die sogenannten ECTS-Punkte eingeführt. Dieses European Credit Transfer System sorgt dafür, dass die Abschlüsse und im Studium erbrachten Leistungen einfacher mit den Anforderungen der Hochschulen verglichen werden können. Ein umständliches Abgleichen der Curriculae sollte der Vergangenheit angehören.
2. Internationale Wettbewerbsfähigkeit verbessern
Die neuen Studienabschlüsse sollten vermehrt auch außereuropäische Studierende anlocken. Für sie sollte ein Studiensystem, was einfach zu durchleuchten ist und in dem die seriösen Anbieter einfach durch die Zertifizierung von Akkreditierungsagenturen von schwarzen Schafen unterscheidbar sind, einen neuen Anreiz bieten, in Europa zu studieren und nach dem Studium auch in Europa als akademische Fachkräfte zu arbeiten.
3. Berufsfähigkeit erhöhen
Hierbei wurde vor allem auf ein schnelleres Studium abgezielt. Während vor der Einführung der Bachelor-Abschlüsse die Regelstudienzeit in Diplom-, Magister- und anderen Studiengängen bei über 4 Jahren lag, soll nun mit dem Bachelor eine Regelstudienzeit von 3-4 Jahren erreicht werden. Das bedeutet, dass die Studierenden in jüngerem Alter mit einem akademischen Abschluss bereit für den Einstieg in die Berufswelt sind. So sollen auch die Unternehmen von jungen, motivierten Arbeitskräften profitieren.
Bachelor und Master – anerkannt oder nicht?
Über diese Frage wird seit Jahren gestritten. Fakt ist: Es führt kein Weg an der Umstellung auf Bachelor und Master vorbei. Ursprünglich sollte bis zum Jahr 2010 die komplette Umstellung abgeschlossen sein. Da aber in einigen (wenigen) Bereichen noch einige Fragen zu klären waren, verzögert es sich, bis die deutsche (und europäische) Hochschullandschaft komplett auf die Bachelor und Master Studiengänge umgestiegen sind. Aber dies ist alles nur eine Frage der Zeit: Zum Wintersemester 2008/2009 waren bereits 75 Prozent aller Studiengänge (9.200 von insgesamt 12.300 Studiengängen) an deutschen Hochschulen auf Bachelor und Master umgestellt. Zum Wintersemester 2010/2011 dürfte diese Zahl sicherlich schon bei rund 90 Prozent gelegen haben.
Unternehmen haben sich auch mittlerweile auch mit dem Bachelor angefreundet. Das zeigt auch die Studie des Internationalen Zentrums für Hochschulforschung. Nur 4 Prozent der Bachelor-Absolventen von deutschen Universitäten und 6 Prozent von deutschen Fachhochschulen haben nach dem Studium keinen Job gefunden und sind arbeitslos. Die durchschnittliche Dauer der Suche der Bachelor-Absolventen von deutschen Hochschulen nach einer ersten Berufstätigkeit unterscheidet sich nicht von der Suchdauer der Absolventen des alten Abschlusssystems.
Allerdings wird oftmals beklagt, dass die Gehälter für Bachelor-Absolventen unter denen von Diplom- oder Magister-Absolventen liegen.
Bachelor und Master – Die Zukunft?
Eines hatten die Bildungsminister nicht vorhergesehen, als sie die Einführung von Bachelor und Master Studiengängen beschlossen: Dass so viele einen Master machen wollten. Ursprünglich war nur gedacht, dass ein geringer Prozentteil der Hochschulabsolventen direkt mit einem konsekutiven Master weitermacht. Daher hat nun so manche Uni und FH Probleme, die zahlreichen Bewerbungen zu berücksichtigen.
Fakt ist aber: Eine solch große Umstellung bringt immer Probleme mit sich. Solange diese gelöst werden, und das sollte in den kommenden Jahren passieren, wird auch das Bachelor und Master – System zukünftig sicherlich erfolgreich sein.
Weitere Informationen:
http://www.spiegel.de/thema/bologna_reform/
http://www.bolognanet.hrk.de/


