Studium Gesundheitswissenschaften/ Public Health
Die Gesundheitswissenschaft (oder auch vermehrt Public Health genannt) ähnelt dem Gesundheitsmanagement bzw. der Gesundheitsökonomie in Grundzügen. Während aber bei der Gesundheitsökonomie die Wirtschaftlichkeit und Evaluation von Gesundheitsleistungen im Vordergrund steht, beschäftigt sich die Gesundheitswissenschaft mit den geistigen, körperlichen, psychischen und sozialen Bedingungen von Gesundheit und Krankheit einer Gesellschaft. Innerhalb der Gesundheitswissenschaften geht es um die Erfassung der Verteilung von Gesundheitszuständen, von Risiken und Ressourcen in der Bevölkerung, um die Gewichtung verschiedener Einflussfaktoren und letztendlich um die Erarbeitung konkreter Beiträge zur Lösung gesundheitlicher Probleme in der Bevölkerung.
Ein Beispiel ist die zunehmende Fettleibigkeit von Kindern. Statt wie früher auf dem Bolzplatz wird vermehrt auf Playstation & Co Fußball gespielt. Zudem ernähren sich viele Kinder ganz anders, als es die Kinder vor 10 oder 20 Jahren taten. Die Nahrungsmittelindustrie mit Werbeversprechen wie „Vitamine und Naschen“ oder „Mit ganz viel Milch“ trägt mit dazu bei, dass die Ernährung oftmals nicht gesund ist. Die Gesundheitswissenschaft versucht, dieses Problem in den Griff zu bekommen, indem sie Lösungen sucht, wie man Kinder in jungen Jahren für Sport begeistern kann oder ihnen Ernährungsratschläge aufzeigt. Zudem untersucht sie gleichzeitig, welche Folgen die Fettleibigkeit für die deutsche Volkswirtschaft haben kann.
Für ihre Forschungsarbeit nutzt die Gesundheitswissenschaft (Public Health) Erkenntnisse und Methoden verschiedener Einzeldisziplinen, wie zum Beispiel aus den Sozialwissenschaften, der Epidemiologie, der Betriebswirtschaft, der Medizin und der Psychologie. Durch die interdisziplinäre Verknüpfung dieser Fachbereiche lassen sich neue Beurteilungen ableiten und für eine bessere medizinische Versorgung einsetzen.
Zusammengefasst kümmert sich die Gesundheitswissenschaft/ Public Health um die Wissenschaft und Praxis der Krankheitsverhütung, Lebensverlängerung und Gesundheitsförderung innerhalb der Bevölkerung.
Das Studium Gesundheitswissenschaften/ Public Health
Im Studium Gesundheitswissenschaften/ Public Health werden die Studierenden auf verschiedene Einsatzgebiete innerhalb der Gesundheitswirtschaft vorbereitet. Generell lässt sich als Ziel des Studiums der Aufbau von theoretischen Grundlagen, praktischen Befähigungen und Kompetenz formulieren. Die Absolventen sollen in der wissenschaftlichen Forschung, aber auch im Management, der Administration und der Industrie eine Tätigkeit auf dem Gebiet der Gesundheitswissenschaften und Bevölkerungsmedizin ausüben können.
Der Studiengang Gesundheitswissenschaften/ Public Health wird in Deutschland sowohl an Universitäten als auch an Fachhochschulen angeboten. Man kann ihn als „normales“ Vollzeitstudium oder als berufsbegleitendes Studium bzw. Fernstudium absolvieren. Vor allem in den vergangenen Jahren sind vermehrt berufsbegleitende Studienangebote an privaten Fachhochschulen entstanden.
Aufgrund des Bologna-Prozesses sind die ehemaligen Diplom- und Magister-Abschlüsse mittlerweile nahezu flächendeckend auf das zweigliedrige Bachelor-Master-System umgestellt worden. Für Schulabgänger, aber auch für Personen mit abgeschlossener Berufsausbildung (z.B. Gesundheits- und Kinderkrankenpfleger, Altenpfleger, Hebammen / Entbindungspfleger, Physiotherapeuten uvm.) ist der Bachelor der erste akademische Grad, der erreicht werden kann. Der Bachelor Gesundheitswissenschaften/ Public Health qualifiziert zum Einstieg in die Berufswelt. Wer sich für Führungspositionen akademisch vorbereiten möchte, der kann noch ein Master-Studium auf den Bachelor-Abschluss draufsetzen.
Die Zugangsvoraussetzungen der Universitäten und Fachhochschulen unterscheiden sich nur in wenigen Punkten. Für ein Studium an der Uni muss man die Allgemeine Hochschulreife (Abitur) mitbringen, für ein Gesundheitswissenschaften/ Public Health Studium an der FH reicht die Fachhochschulreife. Einen Numerus Clausus (NC) gibt es nicht, allerdings haben die meisten Hochschulen eigene Auswahlverfahren etabliert, mit Hilfe derer sie entscheiden, welche Bewerber sie zulassen. Mancherorts wird für die Immatrikulation das Ableisten eines Praktikums vor dem Studienstart gefordert. Um bei der Bewerbung auf Nummer Sicher zu gehen, sollte man sich also frühzeitig bei den in Frage kommenden Unis und FH informieren.
Inhalte im Studium Gesundheitswissenschaften/ Public Health
Die Studieninhalte sollen die Studierenden unter anderem dazu befähigen, Ursachen von Volkskrankheiten zu erforschen und Maßnahmen zu ihrer Prävention zu entwickeln, Pläne zur Gesundheitsförderung zu entwerfen und wissenschaftlich fundierte Entwürfe zur Weiterentwicklung des Gesundheitssystems unter der Perspektive von Qualitätssicherung, Effizienz und Wirtschaftlichkeit vorzulegen. Daher kommt man im Gesundheitswissenschaften/ Public Health Studium mit sozialwissenschaftlichen, medizinischen, epidemiologischen, und wirtschaftswissenschaftlichen Fächern in Berührung.
Studieninhalte sind beispielsweise:
- Gesundheitssysteme
- Gesundheitspolitik
- Medizin und Heilkunde
- Gesundheitsökonomie
- valuation im Gesundheitswesen
- Epidemiologie
- Statistik
- Gerontologie
- Qualitäts- und Projektmanagement im Gesundheitswesen
- Arbeits- und Gesundheitsschutzmanagement
- Gesundheitspädagogik
- uvm
Das Studium ist oftmals modular aufgebaut. In den ersten Semestern erlernen die Studierenden gemeinsam in ihrer Studiengruppe die wissenschaftlichen und theoretischen Grundlagen, bevor sie dann in den höheren Semestern mit der Festlegung individueller Schwerpunkte ihren Studien- und späteren Berufsweg selbst wählen können. Zum Abschluss des Studiums Gesundheitswissenschaften/ Public Health steht meist ein Praktikum an. Zudem ist eine wissenschaftliche Arbeit, die Bachelor- oder Master-Thesis zu verfassen.
Berufsfelder und Tätigkeiten nach dem Studienabschluss
Aufgrund des strukturellen Wandels in der Gesundheitswirtschaft sind akademisch gut ausgebildete Gesundheitswissenschaftler gefragte Mitarbeiter. In welchen Bereich man nach dem Studium einsteigt, hängt insbesonders von der eigenen Schwerpunktlegung ab. Typische Einsatzgebiete finden sich in Bereichen wie
- gesundheitliche Arbeits-, Umwelt- und Verbraucherschutz
- betriebliche und kommunale Gesundheitsförderung
- Gesundheitsberichterstattung und Epidemiologie
- Forschung und Qualifizierung bei Unternehmen
Arbeitgeber können dabei sein:
- Verbände und Gesellschaften für Qualitätssicherung in der Medizin
- Kassenärztliche Vereinigungen
- Private und gesetzliche Krankenkassen sowie deren Verbände
- Städte und Kommunen (Gesundheitsbehörden)
- Pharma-Industrie
- Epidemiologische Forschungsinstitute
Darüber hinaus werden Absolventen des Studiengangs Public Health/ Gesundheitswissenschaften auch an ökonomischen Schnittstellen, wie zum Beispiel im Management von Krankenhäusern eingesetzt.


