Studium Gesundheitsmanagement / Gesundheitsökonomie studieren
Der strukturelle Wandel im Gesundheitswesen stellt Einrichtungen der Gesundheitswirtschaft vor neue Herausforderungen. Auf der einen Seite stehen die Anstrengungen des Gesetzgebers, die Ausgaben zu begrenzen, während andererseits die demographische Entwicklung und der medizinische Fortschritt zu steigenden Ausgaben führen werden. Die (immer älter werdende) Bevölkerung benötigt eine kontinuierliche medizinische Begleitung, die aber die Kostenbudgets von Bund, Ländern, Kommunen und Krankenkassen nicht sprengen darf. Medizinische Einrichtungen müssen sich immer stärker nicht nur an ihren gesundheitlichen Erfolgen, sondern auch an der Effizienz ihrer Kostenstrukturen messen lassen. Ein Beispiel sind die Krankenhäuser: Hier wurde vielerorts jahrzehntelang kein zukunftsorientiertes Management betrieben, so dass viele Krankenhäuser heutzutage in Zeiten knapper werdender Mittel rote Zahlen schreiben. So kommt es, dass manche Kliniken privatisiert und dann von spezialisierten Anbietern von Grund auf neu organisiert werden. Oftmals führt dies zu einer besseren Auslastung der vorhandenen Kapazitäten und dem Weg aus der Verlustzone.
Dies ist aber nur ein Beispiel für vielfältige Herausforderungen, vor denen die Gesundheitswirtschaft steht. Bedingt durch die zunehmende Ökonomisierung des Gesundheitswesens werden von Führungskräften verstärkt betriebswirtschaftlich über¬greifende Kenntnisse verlangt. Das Gebot der Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen besagt, dass die medizinischen Leistungen „ausreichend, zweckmäßig und wirtschaftlich sein müssen; sie dürfen das Maß des Notwendigen nicht überschreiten. Leistungen, die nicht notwendig oder unwirtschaftlich sind, können Versicherte nicht beanspruchen, dürfen die Leistungserbringer nicht bewirken und die Krankenkassen nicht bewilligen.“ Wie stelle ich also eine möglichst gute Behandlung bei möglichst niedrigen Kosten sicher? Die Gesundheitsökonomie bzw. das Gesundheitsmanagement bilden die Entscheidungsgrundlagen dazu.
Folgendes Modell zeigt die wechselseitigen Beziehungen der Gesundheitsökonomie:

Das Studium Gesundheitsmanagement/ Gesundheitsökonomie
Im Studiengang Gesundheitsökonomie bzw. Gesundheitsmanagement wird betriebswirtschaftliches Know-how mit den spezialisierten Kenntnissen der Gesundheitsbranche und grundlegenden medizinischen Fachinhalten verbunden. So werden die Studierenden gezielt auf einen Einsatz an der Schnittstelle von Ökonomie und Medizin vorbereitet.
Die Studiengänge werden sowohl von Universitäten als auch von Fachhochschulen angeboten, wobei die FHs in der Überzahl sind. Hier gilt es auch nochmal zwischen den privaten und staatlichen Fachhochschulen zu unterscheiden. Vor allem, wenn es um die Höhe der Studiengebühren geht, gibt es große Unterschiede und daher ist eine fundierte Recherche vor der Studienwahl immens wichtig. Unterschiede in den Zulassungsvoraussetzungen gibt es zwischen Unis und FHs nur wenige: Für ein Studium Gesundheitsmanagement bzw. Gesundheitsökonomie an einer Uni benötigt man die Allgemeine Hochschulreife (Abitur), während man für das Gesundheitsstudium an der FH „nur“ die Fachhochschulreife vorausgesetzt wird. Einen Numerus Clausus (NC) gibt es nicht, die Hochschulen wählen ihre Bewerber meist durch Zulassungstests aus.
Auch im Bereich Gesundheitsmanagement/ Gesundheitsökonomie sind die Studiengänge mittlerweile auf das zweigliedrige Bachelor-Master-System umgestellt worden. So besteht für die Absolventen die Möglichkeit, oftmals schon nach 3 Jahren (also 6 Semestern) mit einem akademischen Abschluss in die Berufswelt einzusteigen. Wer höhere Stufen auf der Karriereleiter erklimmen will, für den eignet sich ein Master-Studium. Hierbei hat man vor allem im Bereich Gesundheit eine große Auswahl zwischen Vollzeit- und berufsbegleitenden (Fern- und Abend-) Studiengängen.
Inhalte im Studium Gesundheitsmanagement/ Gesundheitsökonomie
Der Studiengang Gesundheitsökonomie (bzw. Gesundheitsmanagement, Gesundheitswirtschaft oder auch Medizin-Ökonomie) ist ein BWL-Studium, erweitert um wichtige Lehrinhalte aus dem Gesundheitswesen und der Medizin. Die Studierenden lernen beispielsweise gesundheitsökonomische Methoden zur Entscheidungsanalyse kennen, um im späteren Berufsleben den oftmals nicht einfach zu bestimmenden Grad zwischen medizinischer Notwendigkeit und ökonomischen Grenzen festlegen zu können. Es werden dementsprechend das Wissen und die Fähigkeiten vermittelt, um in einem immer wettbewerblicher werdenden Gesundheitswesen die richtigen Entscheidungen treffen zu können.
Folgende Inhalte sind dabei Bestandteile der Vorlesungen:
- Volks- und Betriebswirtschaftslehre
Wer im Berufsleben Führungsverantwortung übernehmen möchte, der muss sich mit Disziplinen wie VWL, BWL, Personalmanagement, Controlling, Buchhaltung, Rechnungswesen, Marketing und Wirtschaftsmathematik auskennen.
- Gesundheitsmanagement/ Gesundheitsökonomie
In den Vorlesungen dieses Blocks geht es zum Beispiel um die Geschichte der Gesundheitsökonomie, Gesundheitspolitik, Qualitätsmanagement, die verschiedenen Sektoren (bspw. Krankenkassen, stationäre und ambulante Versorgung, etc), Grundlagen in medizinischen Begriffen und vieles mehr.
- Juristische Grundlagen
Von Medizinrecht über Recht der Gesundheitswirtschaft bis hin zu dem „normalen“ Wirtschafts- und Gesellschaftsrecht werden auch Grundlagen in Jura vermittelt.
- Schlüsselqualifikationen
Hierzu zählen wichtige Soft Skills wie Fremdsprachenkenntnisse, Rhetorik oder die Fähigkeit, zwischen verschiedenen Gesprächspartner zu moderieren. Durch die Vermittlung solcher Schlüsselqualifikationen sollen die Absolventen in der Lage sein, in den unterschiedlichsten Situation seriös und passend aufzutreten.
- Praktikum & Abschlussarbeit
Manche Hochschulen haben im Studiengang Gesundheitsökonomie/ Gesundheitsmanagement ein Pflichtpraktikum im Studienverlauf eingebunden. Außerdem erstellt man zum Abschluss des Studiums eine wissenschaftliche Arbeit, die Bachelor- bzw. Master-Thesis.
Die genauen Bestandteile variieren in gewisser Weise von Hochschule zu Hochschule. Es ist daher unabdingbar, sich von den in Frage kommenden Universitäten und Fachhochschulen die Studienbroschüren zuschicken zu lassen und/oder Termine mit den Studienberatern zu vereinbaren.
Berufsfelder und Tätigkeiten nach dem Studienabschluss
In der Wachstumsbranche Gesundheitswirtschaft, die u. a. von einer Zunahme der Beschäftigung gekennzeichnet ist, bieten gesundheitsökonomische Kenntnisse entscheidende Wettbewerbsvorteile. Die Nachfrage nach derartigen Qualifikationen wird stark zunehmen. Allein in der Region Berlin-Brandenburg ist derzeit etwa jeder achte Erwerbstätige in der Gesundheitswirtschaft tätig und bis zum Jahr 2020 wird von Experten ein weiteres Beschäftigungswachstum um ca. 30 000 Beschäftigte erwartet.
Die Aufgabenfelder für Absolventen eines Gesundheitsmanagement/ Gesundheitsökonomie Studiums sind sehr vielfältig. Je nach individueller Schwerpunktlegung im Studium sowie dem Ableisten von Praktika sind Einsatzmöglichkeiten bei folgenden Arbeitgebern möglich:
- Krankenhäuser
- Praxisnetze (Medizinische Versorgungszentren)
- Private und gesetzliche Krankenkassen(verbände)
- Prüfungs- und Beratungsunternehmen
- Gesundheitstourismus/Wellness
- Kur- und Bäderwesen
- Versicherungen
- Pharma-Industrie
- Beratung
- Handel
- Rehabilitationseinrichtungen
Durch die Doppelqualifikation von betriebswirtschaftlichen und gesundheitsökonomischen Wissen sind Absolventen der Studiengänge Gesundheitsmanagement/ Gesundheitswirtschaft/ Gesundheitsökonomie/ Medizin-Ökonomie etc. sehr gefragt. Zahlreiche Studien belegen eine steigende Nachfrage nach gut ausgebildeten Fachkräften im Gesundheitswesen.
Weitere Beispiele für Einsatzgebiete und konkrete Tätigkeitsbeschreibungen findest du in unserem Artikel „Einsatzgebiete und Berufsfelder“.


